Editorial
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick © Wuppertal InstitutBildende
Das Jahr 2009 klang aus mit einer tiefen Enttäuschung über die Verhandlungen in Kopenhagen, die weitgehend ergebnislos zu Ende gingen. Dort ging es um nicht mehr und nicht weniger, als ein neues Weltklimaabkommen zu verabschieden.
Ziel war, sich auf rechtlich verbindliche Treibhausgas-Obergrenzen für Industrieländer und auf gleichermaßen ambitionierte Reduktionsmaßnahmen für Entwicklungs- und Schwellenländer zu einigen. Dies ist nicht gelungen. Viele sehen mit dem Scheitern dieses Ansatzes vorerst das Ende gemeinsamer Klimaschutzbemühungen. Auf der anderen Seite hat sich die Staatengemeinschaft klar zur Notwendigkeit des Klimaschutzes und zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 2°C bekannt. Zudem wurden Finanzhilfen zur Finanzierung von Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen in Ländern des Südens von den Industrieländern zugesagt. Dies macht Hoffnung.
Klimaschonend und ressourcenleicht
Es scheint trotzdem, dass die Staaten (bzw. ihre Vertreter) bei den Klimaverhandlungen in Kopenhagen weder fähig genug noch willens waren, globale Verantwortung über nationale Interessen zu stellen. Doch das war kurzsichtig. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass in der internationalen Weltgemeinschaft diejenigen die Nase vorn haben werden, die ihre Wirtschaft und Gesellschaft früh genug klimaschonend und zugleich ressourcenleicht gestalten. Produktions- und Konsummuster, die zu Lasten der Umwelt gehen und knappe Ressourcen verschleudern, werden der Vergangenheit angehören (müssen). Nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern weil sie in Zeiten steigender Rohstoffpreise auch wirtschaftlich nicht mehr tragbar sein werden.
Neues ökonomisches Denken notwendig
Wer heute die Weichen auf eine effiziente und CO2-arme Energienutzung und Technologieentwicklung stellt, wer intelligente Infrastrukturen dafür bereitstellt, wer nachhaltige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen schafft, wird nicht nur dazu beitragen, die Klimakrise zu bewältigen, sondern auch andere Zukunftsfragen besser meistern können.
Das größte Kapital dafür werden Menschen sein, deren Denken, Wissen und Handeln sich an der nachhaltigen Entwicklung orientieren wird. Die Investition, die dafür aufzubringen ist, heißt Bildung für nachhaltige Entwicklung.
Die Bonner Erklärung der UNESCO-Weltkonferenz weist in Artikel 7 darauf hin, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung Gesellschaften dabei unterstützt, mit den Umweltgefährdungen umzugehen, soziale Verwundbarkeit und Unsicherheit zu überwinden. Sie ist, so heißt es dort, entscheidend für die Entwicklung neuen ökonomischen Denkens.
Der Klimawandel wird zu den bestimmenden Größen im Leben unserer Kinder und Enkel gehören. Sein Tempo diktiert die Spanne, die bleibt, um sich auf eine solare und ressourcenleichte Wirtschaftsweise umzustellen, ohne strukturelle Verwerfungen in Kauf nehmen zu müssen. Diesbezüglich fehlt uns die Erfahrung, deshalb ist es auch eine enorme Qualifizierungs- und Bildungsaufgabe, zu deren Bewältigung unzählige Projekte und Initiativen auf aller Welt beitragen müssen.
Kopenhagen zur Episode machen
In dieser Ausgabe des BNE-Journals zeichnen Experten aus unterschiedlichen Feldern Wege auf, wie der Klimaschutz auch durch mehr Bildung weitergehen kann und muss. Jugendliche geben Auskunft darüber, wie sie zum Klimawandel stehen und wie sie die Konferenz in Kopenhagen bewerten. Präsentiert werden auch ausgezeichnete Dekade-Projekte aus den Bereichen Energie und Klimaschutz. Deutlich wird: Es gibt überall Menschen, die bereit sind, ihren Teil an globaler Verantwortung zu übernehmen. Sie stehen dafür, dass die Enttäuschung von Kopenhagen vielleicht eines Tages zu einer unschönen Episode in der Weltgeschichte wird.
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick
Vizepräsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
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