BNE-Portal: Interview zum Bildungsbereich Elementarpädagogik

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Interview zum Bildungsbereich Elementarpädagogik

Die Interviewfragen beantworteten Barbara Benoist und Klaus Hübner.

Der Elementarbereich ist die erste Stufe im Bildungssystem. Welche konkreten Ansatzpunkte bieten Kindertagesstätten für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung?

BildanfangMitglieder der AG Elementarpädagogik auf dem NaturGut Ophoven in Leverkusen???Großansicht des Bildes???Mitglieder der AG Elementarpädagogik auf dem NaturGut Ophoven in Leverkusen © NaturGut OphovenBildende

Die Welt trifft sich im Kindergarten! Die Kindertagesstätte bildet die Gesellschaft im Kleinen ab, zeigt soziale Wirklichkeit und ist ganz unmittelbar die Lebenswelt des Kindes. Trotzdem bietet sie den Kindern einen geschützten Rahmen, in dem sie sich ausprobieren können. Ideal für eine Bildung für nachhaltige Entwicklung: Kinder in diesem Entwicklungsalter wollen experimentieren, wollen die Welt entdecken und erforschen, sie begreifen. Wollen Kontakte knüpfen und sich mitteilen, wollen ernst genommen werden und sich in ihre Phantasiewelten zurückziehen können. Dies alles und die Neugierde und Unvoreingenommenheit, der Wissensdrang auf diese Welt, kann und muss in der Materialauswahl, dem Angebot und der Haltung zum Kind in der KiTa seine Entsprechung finden – für eine nachhaltige Entwicklung.

Wie können die Eltern in die Arbeit der Kindertagsstätten integriert und für den Transfer des Gelernten in die Familie sensibilisiert werden?

Zuallererst über die Haltung und das Selbstverständnis gegenüber den Eltern: die Eltern vertrauen ihr Kind manchmal das erste Mal einer Institution an und sind andererseits durch ihre Verantwortung für die noch jungen Kinder wichtiger Teil des Kindergartens. Die Zusammenarbeit muss somit partnerschaftlich sein und sich gegenseitig ergänzen. Ganz praktisch folgert sich daraus, dass die Eltern eingeladen sind an den Projekten mitzuwirken, ihr Wissen und ihr Können einzubringen – und sei es "nur" zum Thema Afrika einen Bildband oder eine Urlaubserinnerung auszuleihen. Es sind manchmal die kleinen aber kontinuierlichen Dinge, die Fäden spannen zwischen KiTa und Elternhaus, die dem Kind aber ein Sicherheitsnetz bieten, die Eltern teilhaben lassen und ermöglichen, Gedanken und Erfahrungen hier und dort einfließen zu lassen. Gemeinsame Aktionen, sei es bei Gartenaktionen, Zeltwochenenden oder der Organisationen eines Hilfsprojektes stärken die Zugehörigkeit und Verantwortlichkeit für die KiTa ihrer Kinder. Und nicht zuletzt ist eine starke Elternvertretung Gesprächspartner und manchmal vielleicht auch konstruktiver Gegner der hilft, einerseits die Eltern da abzuholen wo sie stehen, neue Blickwinkel kennen zu lernen und andererseits die KiTa im Gemeinwesen zu verankern. KiTas sind Familienbildungseinrichtungen – oder müssen es werden!

Welche konkreten Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit müssen in den nächsten Jahren unternommen werden, um erfolgreiche Ansätze für BNE im Elementarbereich und Beispiele für Projekte in die Breite zu kommunizieren.

Eine Kampagne "Raum für starke Kinder"! Außerdem muss die Öffentlichkeitsarbeit noch viel mehr selbstverständlicher Bestandteil der KiTa-Arbeit und der geförderten Projekte werden. Dazu braucht es aber auch ein neues Selbstbewusstsein. Zunächst müssen die Träger und Gemeinden sensibilisiert werden für den wichtigen Beitrag, den die KiTas leisten – und zwar nicht nur als Betreuungseinrichtung sondern als Bildungsinstitution! Und dann muss dieser Gedanke laut und deutlich über alle Kanäle weiterkommuniziert werden...

Was muss getan werden, um Bildung für nachhaltige Entwicklung stärker in die Ausbildung zukünftiger Erzieherinnen und Erzieher zu integrieren?

Einerseits müssen die Curricula eindeutig um die Inhalte und Methoden einer Bildung für nachhaltige Entwicklung erweitert werden! Anderseits stecken viele gute BNE-Ansätze bereits darin, nur in anderen Worten oder Zusammenhängen, da müsste einfach eine Vernetzung erfolgen, eine Übersetzung und vielleicht wirklich auch "Aufklärungsarbeit" – BNE ist nichts Zusätzliches, sondern eine Einstellung. Von zentraler Bedeutung wären hier wohl ein Handlungsleitfaden und die Weiterbildung der Dozenten.

Welcher Handlungsbedarf ergibt sich aus dem Anspruch einer Bildung für nachhaltige Entwicklung an die Verwaltung und die Träger von Kindertagesstätten?

Ein ganz wichtiger! Denn Bildung für nachhaltige Entwicklung darf nicht nur ein Bildungsprogramm sein und sich auf der Ebene Erzieher – Kind abspielen, sondern muss seine Entsprechung in Verwaltung, Ressourcenumgang, Betriebsführung etc. finden. Hier müsste man einen Handlungsleitfaden entwickeln, vielleicht sogar gekoppelt mit einem Audit.

Wie reagieren die Kinder selbst auf die durchgeführten Aktivitäten, durch die sie an nachhaltige Entwicklung herangeführt werden?

Mit Begeisterung und Tatendrang!

Wie kann die UN-Dekade die Implementierung von BNE im Elementarbereich unterstützen?

Durch die Unterstützung von Netzwerken und Aktivitäten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, gerade auch der Vorstellung von Best Practice-Projekte auf Fachtagungen. Und dann natürlich über die Förderung des internationalen Dialogs. Ein großer Gewinn ist sicher, dass die Gremien und Institutionen der UN-Dekade als Kommunikationsmotor dienen und als Kontaktbörse die Menschen zusammenbringen, die zuvor noch gar nicht wussten, dass sie auch etwas mit frühkindlicher Bildung für nachhaltige Entwicklung zu tun haben!


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