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Karl Kübel Botschafter Hans-Werner Meyer über Wahnsinn, Windeln und Weicheier

16.08.11

Bildanfang20110803_Hans-Werner Meyer© Hans-Werner Meyer / Morton BjarnhoffBildende

Im Film spielt er den Bösen, privat ist er liebevoller Vater und engagiert sich für die frühkindliche Entwicklung. Der deutsche Schauspieler Hans-Werner Meyer ist einer der offiziellen Botschafter des Karl Kübel Preises, der am 5. September in der Frankfurter Paulskirche verliehen wird. Im Interview äußert er sich zum Thema Nachhaltigkeit und zu seinem Engagement.

Was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit setzt umfassendes Denken und damit Intelligenz voraus, aber auch die kindliche Neugier nach dem Zusammenhang der Dinge. Wenn ich mich frage, in was für einer Welt wir leben, wie sie funktioniert, wie sie entstanden ist und wie es mit ihr weiter gehen soll, ist der Gedanke an Nachhaltigkeit die zwingende Konsequenz.

Wer sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Akteure im Bereich Nachhaltigkeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung?
Zum einen die kreativen Helden, die Projekte wie jene ins Leben rufen, die hier nominiert sind und zum anderen die Lehrer, die Kinder zu solchen Helden erziehen, angefangen bei den Erzieherinnen und Erziehern im Kindergarten.

In Ihren Filmen spielen Sie meist eher die Rolle des "harten Burschen", privat sind Sie Vater von zwei Kindern und engagieren sich für die frühkindliche Entwicklung im Rahmen des Karl Kübel Preises. Wie passen diese beiden Rollen zusammen?
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Als Vater ist man nicht der Schauspieler, sondern der Regisseur. Und man hat es mit kleinen Profis zu tun, die ihre Rollen meistens nicht nur äußerst glaubhaft verkörpern, sondern auch schneller wechseln als man "piep" sagen kann. Aber nicht nur das. Es handelt sich in der Regel auch um ungeheure Diven, die die gesamte Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Gegen das, was ein Vater Tag für Tag zu leisten hat, sind sämtliche so genannten "harten Burschen" jämmerliche Weicheier.

Als bekannter Schauspieler und Vater zweier Söhne haben Sie selbst zwei Monate Vaterschaftsurlaub genommen. Ist die Sensibilisierung und ein Engagement für Themen der frühesten Kindheit eine logische Konsequenz?
Kann sein. Allerdings habe ich weit mehr als zwei Monate Vaterschaftszeit genommen. Von der Geburt an, haben sich meine Frau und ich alles so gerecht wie möglich aufgeteilt, auch wenn nur zwei Monate dieser Zeit angemeldeter und bezahlter Vaterschaftsurlaub waren. Der Rest war eben, wie so häufig in meinem Beruf, unbezahlte Arbeitslosigkeit. Aber dadurch, dass ich ausnahmslos jeden Entwicklungsschritt aktiv begleitet und mit Ausnahme des Stillens jede damit verbundene Tätigkeit ausgeübt habe, sind die Themen der frühesten Kindheit mir natürlich sehr präsent.

Wie beeinflusste Sie Ihr eigenes Vatersein in Ihrem Engagement sich für das Thema kindliche Entwicklung einzusetzen? Schätzen Sie den Wert von frühkindlicher Bildung nun höher ein als zuvor?
Wenn man sieht, wie schnell bei kleinen Kindern die Saat aufgeht, dann ist der Wunsch nach bestmöglicher Förderung in diesem Entwicklungsstadium die natürliche Folge.

In Ihrem Buch "Durchs wilde Kindestan - Zwischen Windeln und Wahnsinn" beschreiben Sie die Vaterrolle als Rolle ihres Lebens. Inwiefern ist da Nachhaltigkeit in Ihrem Familien-Regiebuch vorgegeben?
Insofern, als auf jeder Seite dieses Regiebuches der Satz steht: "Bedenke das Ende!", der sich jeder kurzsichtigen Lösung in den Weg stellt.

Haben Sie die für den Karl Kübel Preis nominierten Projekte schon besucht? Wenn ja, was hat Sie dort am meisten beeindruckt?
Ich hatte leider nur die Gelegenheit, eines der nominierten Projekte zu besuchen. Das hat mich dafür um so stärker beeindruckt. Es handelt sich um die Prinzessinnengärten in Berlin-Kreuzberg. Die Verbindung aus Rückgewinnung städtischer Brachfläche für Gartenanbau und Landwirtschaft mit der Pflege seltener und vom Aussterben bedrohter Gemüsearten, sowie nachbarschaftlicher Eigeninitiative war für mich der Inbegriff von Nachhaltigkeit.

In der UN-Dekade wird Bildung für nachhaltige Entwicklung als lebenslanges Lernen begriffen. Denken Sie, dass Sie persönlich in diesem Bereich noch dazu lernen könnten?
In diesem Bereich hat mein Lernen gerade erst begonnen.

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