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Planet Diversity: Demonstration, Festival und Kongress
09.05.08
Quelle: Planet Diversity Sekretariat
Bildende
Zum Auftakt der UN-Verhandlungen zur Biologischen Vielfalt bündelt Planet Diversity Hüter und Hüterinnen der Vielfalt aus aller Welt in Bonn. Am 12. Mai begrüßen sie die UN-Delegierten mit einer Demonstration und einem Festival unter dem Motto "Für biologische Vielfalt – regional, fair, gentechnikfrei!". Über 80 Bauern-, Entwicklungs- und Umweltschutzorganisationen unterstützen die Demonstration und fordern eine radikale Wende in der Agrarpolitik. Denn die Botschaft des UNO-Weltagrarberichts ist mehr als deutlich: Die industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen, Massentierhaltung und dem Einsatz von Pestiziden und grüner Gentechnik ist nicht geeignet, den Hunger auf der Welt nachhaltig zu bekämpfen.
"Wir brauchen eine neue Landwirtschaft", sagt Benedikt Haerlin, Leiter des Berliner Planet Diversity Büros. "Eine Milliarde Menschen leidet an Hunger," so Haerlin weiter, "und obwohl die derzeitigen Proteste hauptsächlich in den Städten stattfinden, lebt die Mehrzahl der hungernden Weltbevölkerung auf dem Land. Wir können uns Monokulturen mit ihrem gewaltigen Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden nicht mehr leisten."
Gentechnik kann keine Lösung sein. Ebenso wenig Patente auf Saatgut, die den traditionellen Austausch von Saatgut – und damit uraltes Wissen – verhindern. "Wir stehen am Scheideweg", sagt Georg Janßen, Bundes geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die die Demonstration koordiniert. In der Landwirtschaftspolitik muss es eine radikale Änderung hin zu einer Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft weltweit geben. Aber die deutsche Regierung will, dass sich an der europäischen Agrarpolitik mit ihrer einseitigen Förderung der Agrarindustrie bis 2013 nichts ändert.
Gentechnisch veränderte Pflanzen sind keine Lösung. Sie erhöhen lediglich die Abhängigkeit der Bauern von der Agrarindustrie. "Wir appellieren an die Bundesregierung, alle Länderregierungen und die Spitze des Deutschen Bauernverbandes, endlich umzudenken. Die Zukunft gehört nicht industriellen Agrarkonzernen, sondern bäuerlichen Anbauweisen. Wir setzen auf Qualitätserzeugung von gesunden, gentechnikfreien Lebensmitteln statt auf industrielle Massenproduktion."
Die Organisatoren werden es nicht zulassen, dass Länder des Nordens und des Südens in diesen Fragen auseinander dividiert werden. Sie verstärken die internationale Zusammenarbeit und rufen auf zur Internationalen Kundgebung und zur Demonstration am 12. Mai 2008 in Bonn.
Die Forderungen für die Demonstration sind nahezu deckungsgleich mit denen des Weltagrarberichts: Gegen globale Monokulturen, gegen Agrarsprit und internationale Rohstoff -Spekulation, gegen gentechnische Experimente, Bio-Piraterie und Patente aufs Leben. Für freien Austausch von Saatgut und Wissen, für den Erhalt der regionalen Vielfalt. Als Redner auf der Abschlusskundgebung werden unter anderem zwei Träger des alternativen Nobelpreises erwartet: die indische Physikerin und Aktivistin Vandana Shiva und der kanadische Landwirt Percy Schmeiser. Er wurde vom Chemiegiganten Monsanto wegen Patentverletzung verklagt, nachdem seine Felder durch gentechnisch veränderte Pollen kontaminiert wurden.
Im Anschluss an die Demonstration lädt das Festival der Vielfalt von 14 bis 22 Uhr zum Feiern in den Bonner Rheinauen ein. Mit einem bunten Programm möchten die Veranstalter eine breite Öffentlichkeit auf den Verlust von Vielfalt auf dem Acker, im Stall und in den Töpfen aufmerksam machen. Dazu begrüßen sie internationale Gäste aus sozialen Bewegungen und freuen sich über rege Beteiligung engagierter Menschen aus der Region. "Das Fest wird alle Sinne und alle Generationen ansprechen mit Kinderbereich, Streichelzoo und Aktionen zum Mitmachen, Kino- und Theater, Musikbands, ebenso wie ein em Angebot von Jungpflanzen und Leckereien aus der Region und aus der Weltküche", erläutert Ute Sprenger, Mitorganisatorin im Bündnis von Planet Diversity.
In einem eigenen Pavillon wird das "Internationale Jahr der Kartoffel" gefeiert. Der bolivianische Botschafter wird die Bedeutung der Knolle für sein Land erklären. Zwei Bühnen bieten ein multikulturelles Programm mit Musikbands, Tanz, Kabarett und Polit-Talk mit Agrar- und Umweltexperten aus der ganzen Welt. Bolivianische und haitianische Tanzgruppen treten auf, es gibt russischen Speedfolk, Rock und Klassik, Jazz und Afro -Klänge, Latino-Gruppen und japanische Trommler. Der bekannte Kabarettist Gregor Lawatsch hat zugesagt ebenso wie Bands aus einem Schüler - Rockwettbewerb. Mit Songs wie dem "Liebeslied an die Kartoffel Linda" und der Huldigung an das Schwäbisch-Hällische Schwein werden Künstler lustvoll zeigen, dass die Agrarwirtschaft auch hier zu Lande umsteuern muss, damit das Spektrum von Kulturpflanzen und Nutztieren nicht immer weiter eingeschränkt wird.
Die Demonstration und das Festival bilden den Auftakt für den dreitägigen Internationalen Kongress Planet Diversity. Rund 500 internationale Teilnehmer diskutieren vom 13. bis 15. Mai über lokale und regionale, biologische wie kulturelle Vielfalt als Motor ländlicher Innovation und Garant von Ernährungssouveränität und -sicherheit. Die Podiumsdiskussionen werden in vier Sprachen übersetzt, in 33 Workshops werden die Themen weiter vertieft und Strategien für die Zukunft entwickelt.
Weitere Informationen zu der Demonstratiom, dem Festival und dem Kongress
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